sexy & bodenständig

sexy & bodenständig

Ein Entlastungspodcast für Autor*innen.

Transkript

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00:00:00: Alina, wir machen heute sogar noch vor der Begrüßung ausnahmsweise eine kurze Trigger-Warnung.

00:00:06: Ja, wir sprechen heute über Krankheiten wie erwähnt Suizide...

00:00:12: Wir sprechen über Krebs-, über Covid-, über Diabetes-, über eingewachsene Zähnägel.

00:00:17: also es wird psychisch und körperlich so dass wir eine Warnung am Anfang des Podcastes aussprechen

00:00:24: Und wir spoilern ein kleines bisschen mein Buch.

00:00:26: Das hat natürlich nicht die selbe Fallhöhe, aber ich sage es jetzt auch kurz vorne weg.

00:00:30: Absolut!

00:00:31: Und jetzt Musik.

00:00:34: Sexy und bodenständig.

00:00:38: Til Rete und Alena Schröder reden übers Schreiben.

00:00:49: Hallo Alina!

00:00:50: Hallo Til Wie geht's wie stets?

00:00:54: Mir geht's super.

00:00:55: viel wichtiger...wie gehts dir?

00:00:57: Es sind auf regne Wochen vergangen seit was das letzte mal gesehen haben

00:01:03: Du, mir geht's gut.

00:01:03: Ich freu mich immer wahnsinnig wenn ich am Anfang von unserem Podcast die Musik höre.

00:01:10: Ja!

00:01:11: Die ich immer live einspiele?

00:01:13: Ja genau und zwar...ich find es so lustig.

00:01:16: Wir machen das jetzt wirklich seit ziemlich genau acht Jahren und von Anfang an ist der rechte Freie und gemarmsfreie Track Superstars Emerged, also wir beide von Doxent Sigmond dabei.

00:01:32: und ich habe wirklich so die Vision weil es gibt ja so ein bisschen die Planung dass wir im Herbst-Winter es wirklich vielleicht auch noch mal schaffen in Hamburg eine sexuelle Bodenständig live Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

00:01:45: Und mein Plan ist eigentlich doxent sigmond zu finden

00:01:49: Und ihn live spielen zu lassen.

00:01:52: Ja, ihm ein elektrisches Piano oder eine Heimorgel hinzustellen und ihm seinen Sektion-Bundständigtrack Superstars Emerge aufführen zu lassen und gerne auch in so einer ganz langen Vision wie meine Kinder früher mal gesagt haben.

00:02:08: Ja finde ich sehr gut!

00:02:09: Ich würde ihm auch sofort beichten dass ich eigentlich einen anderen Musiktrack ausgewählt habe den du sowas von gewählt tot hast Weil das so eine rückwärts

00:02:18: aufgenommene

00:02:19: Akkordion-Gniedelei

00:02:21: war.

00:02:23: Und du warst echt so... Alter, ey!

00:02:26: Wenn du hier mit so einem Akkordeon gekniedelt kommst wirklich ganz ehrlich dann müssen wir gar nicht erst anfangen mit dem Scheiß.

00:02:33: Ja

00:02:33: und aber du hast recht behalten.

00:02:37: Du hast so ne richtige... So ein bisschen so Elements of Crime, Instrumental.

00:02:45: Eher

00:02:45: Elements Of Crime meets Amelie glaube ich.

00:02:48: Ja genau!

00:02:50: Man sitzt auf so Tonetholz Kaffeehausstühlen und jemand spielt in schlackrigem Super-Acht auf dem Akkordeon.

00:03:00: Ich werde diese Musik heute mal sozusagen als Abschlussmusik machen einfach damit ihr merkt wovon Till euch alle bewahrt hat und mich sowieso auch.

00:03:11: Du hast natürlich recht gehabt, außerdem ist der Titel Superstars in Merch sowieso programmatisch weil du bist und sorry ich weiß du willst es vielleicht nicht aber ich sage es jetzt du bist mit deinem Thriller Meeresrauschen genau Meeresdunkel.

00:03:26: Die Spiegel Bestseller Liste.

00:03:28: Hier wird nichts geschnitten Rein

00:03:30: geschossen!

00:03:31: Und bis jetzt ein Amtlicher?

00:03:32: Du warst schon vorher im Spiegelspiegelt bestseller Autor Aber jetzt bist du irgendwie doppelt und nochmal noch mal amtlicher.

00:03:39: Wieso?

00:03:40: Weil du findest, dass es wertvoller ist mit einem ausgedachten Buch als mit einem Buch wo ich über meine Krankheit geschrieben habe.

00:03:47: Ich finde einfach das so sozusagen jetzt in mehreren Genres Spiegel Bestseller hingelegt hast.

00:03:51: Das finde ich einfach super special.

00:03:54: Find' ich richtig toll!

00:03:55: Ja also... Ich bin...ich freue mich einfach total darüber und find's sehr

00:03:58: verdient.

00:03:58: Vielen Dank, ich freu mich auch total.

00:04:01: Und ich freue mich auch wahnsinnig so über diese... Ja, das Buch hat eine kleine Zehigkeit.

00:04:08: Das ist ja die besterliste Paperback.

00:04:13: Ein hart umkämpfte Slotstar.

00:04:15: Softcover und das Buch war auf Platz sechszehn, auf Platz sechzehn auf Platz einundzwanzig und jetzt auf Platz achtzehn.

00:04:22: also es ist aus so'n bisschen.

00:04:24: Es freut mich irgendwie besonders, weil es wie so ein Prefabsbrout-Album in den achtziger Jahren ist wo man schon sagen kann ja das war definitiv eine Chartband aber halt irgendwie so.

00:04:36: In den Top Forty auf diesen Bereichen und das finde ich irgendwie wahnsinnig schön.

00:04:40: Und das ist mit dem Buch, wie mein Freund ... Du würdest sagen Meeresrauschen.

00:04:45: Patrick sagt Meeresleuchten.

00:04:47: Viele Kunden im Buchhandel sagen Meersdunkel.

00:04:52: Ja, ich bin auch wirklich mega happy darüber.

00:04:55: Sehr schön!

00:04:56: Wenn ein Titel so einen war, kann ich mir einfach nicht merken?

00:04:59: Bei mir muss ein Titl halt mindestens achtzehn sein.

00:05:01: Da bleibt es bei mir

00:05:04: nicht hängen... Das Buch sollte eigentlich auch heißen, wir auf der Klippe stehen das Meer so dunkel und alles nicht pauschal sondern selbst organisiert.

00:05:17: Ja

00:05:18: super!

00:05:19: Aber da muss man zu DTV gehen.

00:05:21: Das ist halt was anderes.

00:05:22: Ja verstehe.

00:05:24: Da muss man mal etwas Neues fangen.

00:05:26: Muss man sich immer was trauen aber gut...

00:05:28: Ja, wir haben im Vorgespräch lange über das Problem des Nicht-was-Trauens gesprochen.

00:05:33: Lass uns das mal als anderes Thema machen bevor wir über das Thema Krankheit heute sprechen.

00:05:38: Über das Thema Überkrankheitsschreiben dass uns glaube ich wer hat uns dieses Thema beschert?

00:05:44: Ach schon wieder Maike natürlich unsere Muse

00:05:48: Aber Margarete hat irgendwann auch mal gesagt dass wir darüber... Unsere

00:05:54: beiden Musen, Margarite und Maike liefern uns alle unsere Themen.

00:05:58: Man muss das einfach so klar sagen.

00:06:00: Bevor wir darüber reden wollte ich tatsächlich auch anlässlich von Sigmond Superstar unserem Musikpapst... Ich habe mir das festgestellt weil ich mir alte Folgen von Sexy und Bodenständig angehört habe auf der wie man sagt umstrittenen Plattform Spotify weil ich feststellen wollte ob bei Sexy und Boden ständig Werbung vorher gespielt wird.

00:06:28: Weil es Spotify, das ist nun mal leider eine Plattform auf der viele Menschen – ich nehme mich da nicht aus – Podcasts dann doch eher hören als auf den Webseiten der KünstlerInnen oder als auf reinen Podcast-Plattformen wie Podigy.

00:06:44: Und eigentlich ist es ja so, es gibt... Korrigier mich.

00:06:46: Du bist die Technik Pabstin.

00:06:48: Es gibt zwei Arten oder drei Arten von Werbung.

00:06:51: entweder man kann selber sozusagen Werbung machen sowie du immer für meine Bücher und ich für deine.

00:06:58: Nein wenn wir jetzt zum Beispiel für andere Produkte werden wir das jetzt hier genau.

00:07:02: und dann gibt es dieses Dynamic Insertion.

00:07:08: Also wenn halt irgendwie je nach Sendegebiet an so bestimmten Stellen und das worüber auch immer dann Dax Werner im Moritz Hürtgen sprechen, jetzt kommt Werbung oder auch nicht.

00:07:18: Und dann gibt es ein kleines Jingle und danach kommt... Das ist so in Podcasts und das Geld bekommt zum großen Teil die Podcast-Veranstaltenden.

00:07:26: Spotify hat jetzt angefangen, wenn ich irgendwelche random Podcasts höre vor dem Podcast Und zwar auch so als mit Absender, Spotify und teilweise auch mit Videos mir ein zwei oder drei kurze Werbeklips wie bei YouTube oder so zu zeigen.

00:07:45: Ist die das auch schon passiert?

00:07:47: Nee bisher noch nicht.

00:07:47: aber ich höre meine Podcast meistens über Achtung Werbung Apple Podcast App.

00:07:53: Ja ich lehne ja diese Silicon Valley Konzerne ab und ich mag so diese schwedischen Startups wie diese kleinen Skandinavischen Holz getiefelten Start-Ups, wie Spotify und so weiter.

00:08:07: Das heißt das sehr oft Edmond Siegesmont Stars Immersion?

00:08:13: Ich wollte gucken ob ich damit... Also ich würde mich lange Rede kurzer sehen.

00:08:18: wenn eine Hörerin Werbung vor Sexy und bodenständig bekommt.

00:08:23: Und es auf Spotify hört, ich würde mich über ein Hinweis freuen weil ich mich gerne darüber wahnsinnig, wahnsinnigantern würde.

00:08:30: Weil wir haben damit nichts zu tun.

00:08:33: Und ich glaube auch nicht, dass...

00:08:36: Es

00:08:37: macht mich krank

00:08:40: um das wirtschaftlich zu machen für Spotify.

00:08:43: Ich glaube wir sind safe aber wer weiß sich meine Zeiten...

00:08:46: Du die Masse machst ja also insofern wenn sie es einfach bei jedem kleinen Orchideen Podcast machen von denen es haben und auch einfach zehn oder hundert tausende gibt dann haben Sie am Ende Das sind auch so absurde Sachen.

00:09:01: Ich meine, für eine Risiko-Lebensversicherung und wirklich so nach dem Motto hey Broody!

00:09:06: Auch du wirst sterben.

00:09:07: Wäre doch schade wenn deine Kinder dann in die Röhre gucken und ich so what the fuck?

00:09:12: Ich fand das wirklich interessant weil das Thema... Als Ende ist das Thema ja über nicht krank schreiben sondern Überkrankheit schreiben Und ich hab am Anfang so ein bisschen dann so gedacht, das ist eigentlich irgendwie schade weil es ein sehr wichtiges Thema ist.

00:09:34: Das ist also das Thema Krankheit.

00:09:36: was definieren wir überhaupt als Krankheit?

00:09:39: Ist eigentlich Krankheit des Gegenteils von Normalität oder ist nicht in Wahrheit der... erkrankte körper der normale körper weil es keinen perfekt gesunden körper und kein.

00:09:52: Perfekt gesunde mental health und so weiter gibt?

00:09:55: ist das nicht eigentlich normalität?

00:09:57: ich habe darüber nachgedacht und hab dann so gedacht oder ist aber eigentlich sehr schade, weil ich ja nie über sowas schreibe und warum eigentlich nicht?

00:10:05: Und dann habe ich mir aber die Mühe gemacht, mich kurz hinzusetzen und darüber nachzudecken.

00:10:11: Und hab dann gemerkt dass ich eigentlich nur darüber schreibe.

00:10:14: wie ist es bei dir?

00:10:15: Wie stehst du zu diesem Thema?

00:10:16: und wenn du das mit deinem eigenen Schreiben und deinem eigenen Werk abgleichst welche Rolle spielt Krankheit als Thema, als Metapher, als Trop, als Plot Device in deinem Schreiben Alena?

00:10:31: Also ich würde sagen, dass ich so als quasi Krankheit als Sygé eines ganzen Buches noch nicht geschrieben habe und dazu irgendwie auch keinen Anlass habe.

00:10:42: Aber ja... Ich hab's hier und da natürlich als Plot Device und auf eine Art genier' ich mich ein kleines bisschen dafür weil es mir irgendwie manchmal ein bisschen zu einfach vorkommt.

00:10:57: Also in dem Buch an dem ich jetzt gerade schreibe das sich neu angefangen haben wird wird keiner krank werden oder krank sein.

00:11:04: Bislang, sag niemals nie und irgendwie fühle ich mich damit wohler.

00:11:08: aber ich habe es natürlich in allen büchern benutzt um sagen wir mal eine gewisse dringend zeitliche Dringlichkeit herzustellen oder um was über den Charakter von Figuren zu erklären oder um bestimmte Handlungs-Dinge zwingender zu machen

00:11:25: und so also zum beispiel ich glaube ich möchte jetzt nicht Wer sich nicht mein ganzes Leben Öl auf Leinwand ohne Titel spoilern lassen möchte, sollte jetzt für ungefähr sechzig Sekunden weghören.

00:11:43: Also die Wiederbegegnung von Hannah mit ihrem Vater wird ja im Grunde genommen verursacht durch eine Krankheit ihres Vaters und er verspricht sich eine Heilung im Grunde genommen.

00:12:02: Das heißt, das ist faszinierend weil es da tatsächlich ja auf sehr vielen verschiedenen Ebenen von dir benutzt wird.

00:12:09: also einmal wie du selber gerade gesagt hast als Plot Device.

00:12:13: ich möchte diese beiden Figuren wieder miteinander in Berührung bringen in diesem Buch und ich möchte aber auch das mit einer gewissen Dringlichkeit tun Und gleichzeitig sagt es natürlich auch viel über den Vater seine Motive sich dann erst entweder aus eigenem Antrieb oder durch seine Frau angeregt, mit Hannah wieder in Verbindung zu setzen und Hannas Reaktion darauf sagt natürlich auch sehr viel über sie aus.

00:12:44: Ja aber kannst du verstehen dass ich also ich habe ehrlich gesagt super lange darüber nachgedacht ob es das überhaupt braucht?

00:12:49: Das wollte ich dich gerade fragen.

00:12:50: Also ob es diesen Krankheitsaspekt überhaupt braucht und ob ich diese Geschichte nicht... ohne erzählen kann und ich hab mich dann doch irgendwie dafür entschieden, das so zu machen.

00:12:59: Aber mit einem irgendwie auf einer Art schlechten Gefühl!

00:13:02: Und ich weiß gar nicht so genau warum... Ich weiß nicht, ging's dir auch mal so?

00:13:06: Kannst du es

00:13:07: nachvollziehen?!

00:13:07: Ich glaube weil ich manchmal selber wenn ich Bücher lese und dann plötzlich halt jemand krebs weißt du so dass man wie manchmal unangenehm finde wenn man das gefühlt hat okay das ist jetzt da kommt jetzt plötzlich eine so ein dramatische Diagnose.

00:13:21: daher um was zu lösen dem der schreibt nichts besseres eingefallen ist, um sozusagen Tiefe und Dramatik in die Geschichte zu bringen.

00:13:32: Ich hoffe ich habe es gut gelöst aber wie gesagt ich hab mich da tatsächlich viel darüber nachgedacht ob's nicht anders auch hinkriegen könnte.

00:13:40: Habs aber nicht anders hingekriegt?

00:13:42: Ja ich finde das schon gut gelösst dahingehend dass es halt für die Figuren sehr viel Sinn macht.

00:13:50: Es geht ja nicht darum dass man in diesem Sinne von Du benutzt es ja nicht, habe mich tatsächlich nochmal auch ein bisschen mit Susan Sonntag beschäftigt und mit Krankheit als Metapher.

00:14:00: Ja.

00:14:01: Wo sie dann also die schreibt über ums ganz kurz für die Hörer-Indies, die sich nicht damit im Studium oder in den... Für mich?

00:14:08: ...achtzig und neunzig Jahren beschäftigen mussten.

00:14:10: Die schreibt im Grunde genommen vor dem Hintergrund der AIDS-Krise oder der AIDS Solidaritätskrise darüber wie unterschiedliche Krankheiten, also speziell Tuberkulose Krebs und dann eben AIDS.

00:14:26: So von der Gesellschaft als Metapher für entweder also Krebs ist in den Sechziger, Siebziger Jahren ganz viel als so in Verbindung gebracht worden mit Depressionen immer nach dem Motto naja du musst halt deine Einstellung ändern Du musst kämpfen und du musst ein Survivor sein.

00:14:45: Und dann schaffst du das auch so, also im Grunde genommen die Krebserkrankung als Metapher für eine Schwäche der Persönlichkeit... tubakulose Erkrankung als Metapher für so eine überfeinerte kreatives Dahinsicht und dann eben die AIDS-Erkrankungen als reaktionäre Metaphr dafür, dass man einfach die Strafe bekommt.

00:15:09: Für einen unchristlichen Lebenswandel oder so.

00:15:13: Und diese in Abstufung, in diese Falle sozusagen zu tappen Figuren, in die wir uns ausdenken mit Krankheiten auf eine Art fast zu bestrafen oder zu illustrieren.

00:15:28: So bestimmte Charaktermerkmale oder so... Ich finde dass du das an der Stelle überhaupt nicht machst sondern es geht ja wirklich darum wie gehen die Figuren sozusagen damit um?

00:15:42: und wie ordnen sie diese Offensichtliche Dringlichkeit, also du kannst dir nur helfen lassen von jemandem mit dem Du körperlich verwandt bist unter Umständen.

00:15:53: Wie geht man mit dieser Dringigkeit um?

00:15:55: Das ist vielleicht ein Shortcut aber in dem Fall würde ich sagen Ja, also vielleicht ein Victimless Crime.

00:16:04: Ich kann das total verstehen mit diesem Unbehagen.

00:16:07: Ich habe ja tatsächlich in dem Buch Danowski Hausbruch gibt es eine Figur, ein Mann der an Diabetes Typ eins erkrankt ist und der diese Krankheit managt mit Hilfe von Insulin.

00:16:26: Und seine Frau auch das jetzt ein Spoiler zuspäht für die Spoilerwarnung.

00:16:31: Seine Frau bringt ihn um indem sie letztendlich mit seinem Insulin ihm vorenthält oder so... Da muss ich sagen, also erstens habe ich es im Buch weil ich mich, weil ich es glaube ich falsch verstanden habe was mir ein Diabetiker aus meinem Verwandtenkreis erklärt hat.

00:16:53: Ich hab's im Buch glaube ich falsch... falsch beschrieben.

00:16:58: Bin mir nicht ganz sicher, wie das passieren konnte.

00:16:59: und wir haben dann zwei Kolleginnen eine Kollegin und ein Kollege sehr geduldig und sehr nett die beide entweder unmittelbar oder in ihrer Familie von Diabetes Typ eins betroffen sind erklärt was sich falsch gemacht hat und wie ich es ändern kann.

00:17:17: Ich habe mich richtig geschehen, weil ich genau ein bisschen wie du auch so dieses Gefühl hatte.

00:17:23: Oh mein Gott!

00:17:24: Dann benutzt man das als Plot-Device und dann fliegt es einem

00:17:27: natürlich noch falsch.

00:17:28: Und dann auch noch falsch?

00:17:30: Es ist ja eigentlich fast egal, weil es so oder so einfach scheiße das zu machen.

00:17:37: Und lustigerweise... Ja, ich habe es dann also in der E-Book und in den Taschenbuchausgabe korrigiert worden.

00:17:46: Von diesen beiden Personen hat keiner infrage gestellt dass das absolut legitim ist.

00:17:50: Ich hatte dann sogar so eine Diskussion mit dem einen Kollegen wo ich gesagt hab mann das tut mir jetzt im Nachhinein leid dass ich sozusagen diesen Diabetiker Ja, dass das sozusagen jetzt so das Mordopfer ist und das sozusagen diese Vorerkrankung auch noch benutzt wird.

00:18:10: Und er meinte dann ja aber wieso nicht?

00:18:12: Warum sollen Diabetiker nicht auch das Recht haben umgebracht?

00:18:18: Also ich finde es ist wirklich... Das berührt halt auch wieder dieses Thema.

00:18:23: wer darf eigentlich über was schreiben?

00:18:26: und wäre es nicht also deswegen natürlich alles nicht passiert wenn ich selber Betroffen gewesen wäre und wenn ich selber eine biografische Prägung gehabt hätte in der hinsicht?

00:18:37: Aber das ist definitiv kann.

00:18:39: Ich das absolut nachvollziehen.

00:18:42: Plot device ganz schwierig aber ich will dir auch total recht geben, ich würde es unterscheiden sozusagen von dem trope also so von diesem.

00:18:50: Und dann muss halt und das finde ich ganz oft ganz ganz schlimm.

00:18:53: Das war zum Beispiel ein Grund warum ich aufgehört habe Borgn diese dänischen Fernsehen zu gucken.

00:19:00: Da waschierst du dieses Klischee und wenn du schon eine weibliche Protagonistin zwischen Anfang-Fürzig und Ende-Fünfzig hast, ganz ehrlich Leute.

00:19:11: Was sollen wir denn mit dir noch machen?

00:19:12: Die Muskeln der dritten Staffel Brustkrebs bekommen!

00:19:15: Und das hab ich ... Das meinste oder dass es einfach passiert zu oft?

00:19:20: Ja, genau.

00:19:22: Ja, das stimmt.

00:19:23: Das stimmt, aber zur Frage sozusagen wer darf über welche Krankheit schreiben hättest du dir als Du Danowski angelegt hast und als klar war oder beziehungsweise als Du gespiegelt bekommen hast es wäre gut wenn der halt irgendeine Macker hat.

00:19:39: Wenn irgendwas an dem irgendwie nicht ganz gesund ist und Du hast gesagt okay der ist hochsensibel vielleicht ist er auch irgendwie depressiv usw.

00:19:51: Hättest du dir auch vorstellen können, dass der keine Ahnung Schizophrenie ist und Stimmen hört oder dass er irgendein anderes Gebrechen hat?

00:19:58: Dass weiter weg von dir selber ist.

00:20:02: Nee Also mein Agent hat ja damals mehr so dahingesagt Ja der braucht eine Psychomacke Hypersensibel oder so.

00:20:13: Ich habe mir damals dann vorgenommen Okay ich setze es einfach eins zu eins.

00:20:17: zur Umnis lag daran das ich tatsächlich Ich glaube in der Zeitschrift Brigitte Wummen, das möglicherweise sogar noch als Redakteur oder nicht als Autor habe ich später darüber geschrieben.

00:20:34: Aber ich hatte gerade was drüber gelesen und ich wusste dass es keine Krankheit ist.

00:20:45: Jedenfalls zu diesem Zeitpunkt vor zehn Jahren war es kein wirklich neurologisch fest beschreibbares Syndrome oder so, aber das ist halt definitiv eine absolut legitime Selbsterfahrung von Menschen und wird auch von von von Ärztenen oder von Therapeutinnen durchaus so beschrieben.

00:21:04: Hat aber sehr oft so eine Verbindung zu Depression und ich habe dann so gedacht, das ist für eine Figur.

00:21:11: Also erstens habe ich mich schon ein bisschen beim Lesen oder beim Redigieren dieses Artikels wiedererkannt.

00:21:20: könnte interessant werden, dass im Laufe der Bücher jetzt nicht anzufangen und den Leuten gleich damit ins Gesicht zu springen.

00:21:28: Der Kommissar ist depressiv.

00:21:30: Das gab es ja ganz oft schon.

00:21:32: Sondern das mehr sich so ein bisschen entfalten zu lassen.

00:21:35: Aber wenn ich da nicht eine eigene Nähe verspürt hätte ... Nee irgendwie ... Irgendwie nicht!

00:21:44: Und das ist auch wieder dieses Problem.

00:21:46: also, wenn man dann nicht über Krankheiten schreibt die man nicht selber hat dann werden diese Krankheiten letztendlich nicht repräsentiert.

00:21:54: Und auch damals bei Borgn war es zum Beispiel so, dass ich mich mit einer Freundin darüber unterhalten habe die eine... Brustkrebserkrankung überstanden hatte und die dann gesagt hat, sie hat sich irgendwie, also gefreut ist jetzt glaube ich das falsche Wort.

00:22:08: Aber Sie hat es, Sie hat dann halt Borgern anders wahrgenommen weil es für sie als Representation mehr so rüber kam nämlich mit der Erkrankung sich zu überlegen wie macht man in seinem Beruf weiter?

00:22:21: Wie schwach wird man wahrgenommen?

00:22:23: Und also das was ich als Trope- und Klischee wahrgenommen habe Fand sie als Representation und ich würde halt über ganz viele Krankheiten, die ich nicht.

00:22:34: selber habe einfach nicht schreiben.

00:22:36: Du?

00:22:37: Naja wieso... Ich hab jetzt also in meinem neuen Buch für jemanden blind...

00:22:44: Oh mein Gott!

00:22:45: Also insgesamt ja doch würde ich und habe schon...

00:22:49: Das habe ich total vergessen.

00:22:50: das ist interessant weil es ist wirklich ein

00:22:53: richtig krasses Krankheitsbuch, mein letztes Buch da wird viel Krankheiten.

00:22:58: Ja, das ist interessant.

00:22:59: Ich hab's

00:23:01: immer benutzt um die Beziehungsdynamiken zwischen unterschiedlichen Figuren zu schärfen.

00:23:10: Also zum Beispiel im allerersten Buch wo erzählt wird dass Hannas Mutter super früh an Krebs stirbt und diesen Krebs nicht behandeln lässt auch in Opposition zu ihrer Mutter zu der sie ein schlechtes Verhältnis hat und die aber nun mal Ärztin ist und so eine richtige Schulmedizinerin ist auch in so einem Akt der Rebellion halt versucht sich das irgendwie auspendeln und ausleiten zu lassen.

00:23:33: Und erst, als es schon viel zu spät ist ihre Mutter um Hilfe bittet einfach weil sie das vorher nicht über sich gebracht hat da sozusagen diesen Weg zu gehen was ihr vielleicht sogar das Leben gerettet hätte.

00:23:43: also im Grunde mach ich das ganz schön.

00:23:45: oft benutze ich das kann schön oft übs aber ja im neuen Buch nicht mehr.

00:23:52: Aber wer weiß

00:23:55: Ja das ist interessant.

00:23:58: Lustig ist es interessant, dass ich über die Erblindung der einen Hauptfigur, die ja nun auch Malerin ist, nicht nachgedacht habe.

00:24:10: Komischerweise hab' ich nicht eine Sekunde da.

00:24:14: Krankheit als Metapher – also nicht im Sinne von so ein Sonntag als gesellschaftliche Metaphe sondern als literarische Metapha – habe ich's gar nicht wahrgenommen.

00:24:23: Sondern wenn man künst, könnte man ja auch sagen das ist ja auch so ein bisschen um diese Das nicht sehen wollen oder können von gesellschaftlichen.

00:24:35: Aber das komisch.

00:24:36: Das machst du finde ich überhaupt nicht.

00:24:39: aber es wird halt

00:24:40: nachwelt beurteilen.

00:24:41: Ja

00:24:42: Ich bin jetzt hier gerade die nachwelt Brudi was ist denn du stirbst?

00:24:52: So ist das nicht bei dir, aber es ist so ähnlich.

00:24:54: Es ist wirklich ganz unangenehm.

00:24:57: Pass auf!

00:24:57: Eine

00:24:57: Lebensversicherung?

00:24:59: Ja.

00:25:00: Ich dachte auch Risiko-Lebensversicherungen wären längst irgendwie verboten oder...

00:25:05: Ganz ehrlich, ich meine wenn das nicht der Podcast ist wo Spotify jetzt eine Risikolebenversicherung-Werbung vorknallt weiß ich auch nicht.

00:25:14: Ich weiß es absolut auch nicht.

00:25:15: oder ne Zweibettzimmer Zusatzversicherung und so weiter.

00:25:19: Man

00:25:19: muss sagen ohne die Erblindung der einen Hauptfigur ohne diese ohne ihre Augenerkrankungen Dieser ganze Handlungsstrang.

00:25:29: Also es ist wirklich fast das Worldbuilding dieser Vergangenheitserziehung hängt extrem davon ab, aber was dann interessant ist, ist wie sich auf alle... Person in ihrem Umfeld, vor allem auf die junge Malerin auswirkt und wie sie damit umgehen.

00:25:52: Und ich meine das ist natürlich einfach ja... Das ist halt das worüber wir schreiben und womit wir arbeiten.

00:26:00: Wie gehen Menschen mit Dingen um?

00:26:02: Die passieren?

00:26:04: was anderes können wir

00:26:05: nicht

00:26:05: machen.

00:26:06: Es ist aber auch voll in Ordnung wenn du das eigentlich grundsätzlich richtig Scheiße findest.

00:26:10: Du musst jetzt nicht meine Gefühle schon, wenn du eigentlich in deiner Vorbereitung alles darauf hinlaufen solltet dass du das nunmals tun würdest uns eigentlich ablehnst?

00:26:22: Nö es kann ich nicht sagen.

00:26:24: also ich frag mich auch tatsächlich ob nicht eine... Das haben wir gerade eben schon gestreift oder gestriffen.

00:26:33: Ob nicht eine dann sozusagen, ja ich möchte nicht Krankheit als Plot Device einsetzen.

00:26:38: Ich möchte nicht krankheit als als trope benutzen.

00:26:42: ob das nicht dann auch dazu führt dass die welt über die man schreibt sehr norm gesund ist weiß was ich meine also sehr das dann eben doch wieder das Ja alle haben irgendwelche haben vielleicht psychologische oder finanzielle oder gesellschaftliche Probleme.

00:27:01: Aber dann wird so weggeschrieben, dass aus meiner Sicht einfach die vorübergehende oder die chronische Erkrankung... Ein Teil und ein Definitionsmerkmal von der ganz großen Normalität ist.

00:27:16: also ich finde es ist total total zwiespältig.

00:27:19: Ich merke, dass ich's wenig mache aber gleichzeitig schreibe ich halt.

00:27:22: also ich bin besessen davon über depressive Figuren zu schreiben.

00:27:27: Es gibt in jedem von meinen von meinen Büchern gibt es eine depressive Person die eigentlich nicht aus dem Sessel aufstehen kann und Wo ich dann das natürlich auch als Plot Device benutze, also bei der Architektin die Mutter von Otto.

00:27:45: Die einfach... Also sie braucht sozusagen ja so wie meine Mutter manchmal fünf Wochen gebraucht hat um wieder einkaufen zu gehen, braucht ihr halt fünf Wochen um eine entscheidende Sache zu tun, die den Plot dann voranbringt.

00:28:01: Das verstehst du das benutzte ich auf einer Art ganz genau so nur dass ich mich sehr auf dieses Thema Depression konzentriere und was mir total negativ auffällt an meinen Büchern oder an meinen Kriminalromanen.

00:28:20: Und es ist aber eben auch ein Krankheitsthema, das dieses Thema Suizidalität relativ oft

00:28:29: vorkommt.".

00:28:30: Und dann habe ich auch oft so gedacht, warum muss das jetzt sein, dass

00:28:34: diese

00:28:35: Leute... Naja weil ich mich auch oft frage ob ich es als Plotty weiß oder so benutze und weil ich es eigentlich sehr... Die Gefahr ist ja dann auch, wenn man über Jugendliche schreibt die einen sogenannten Suizid packt haben.

00:28:51: Oder wie in dem Roman Fallwind, dass es vielleicht zu einer Romantisierung beiträgt oder dass man, wenn es eine absolute Nebenfigur ist wie bei Sturmkehre das vielleicht auch einfach so der Sache nicht gerecht wird.

00:29:07: Oder eine Verharmlosung ist.

00:29:09: aber andererseits muss ich halt sagen ja das hat dann auch wiederum biografische Gründe, dass ich da einfach sehr oft darüber nachdenke und dann auch... Ich weiß, dass sich bei Sturmkehren gedacht habe oh, muss das jetzt eigentlich sein?

00:29:26: Und dass ich dann aber, das ist von so einer Autobahnbrücke als Selbstmörderbrücke die Rede.

00:29:33: Und dass sich dann irgendwie denke, ehrlich gesagt ... Ich hab mich als zu junger Mensch zu viel damit beschäftigen müssen, dass meine Mutter immer über das Recht auf den Freitod schvadroniert hat und es hat mich einfach extrem geprägt.

00:29:47: Dann schreibe ich jetzt auch darüber, verstehst du?

00:29:50: Aber letztendlich kann man genau so gut sagen, wenn man sich das ... dessen Entkleidet anguckt, ist es ein Plot Device auch jedes Mal.

00:29:58: Insofern habe ich da keinen...

00:30:00: Ja aber auch da!

00:30:02: Vielleicht ist das ja trotzdem eine Form von Representation und trägt zur Enttabuisierung solcher Gedanken bei oder?

00:30:12: Keine Ahnung, ich weiß es nicht

00:30:14: Ich weiß es auch nicht und es betrifft natürlich wirklich ganz interessant.

00:30:18: Da würde ich jetzt zum Beispiel komplett anders inzwischen vorgehen.

00:30:23: Also ich habe ja die Danoski Romane so weitergeschrieben, als ob Covid im Grunde genommen nicht stattgefunden hätte.

00:30:29: Und es lag daran dass ich einen von den beiden letzten in der Covid-Zeit glaube ich oder gegen Ende der Covid Zeit geschrieben habe Hausbruch und ich hatte wirklich also das war so nach dem zweiten Lockdown Winter und ich hat da einfach keinen Bock mich als Auto damit auseinanderzusetzen und ich in dem Roman, den ich jetzt gerade schreibe nachdem das Thema... Also jedes Mal wenn ich nicht geschrieben habe hat das Thema sechzig Prozent bis achtzig Prozent meiner mentalen Kapazitäten belegt.

00:31:02: Wer wird wann geimpft?

00:31:03: Haben wir noch Masken?

00:31:04: Warum kosten Masken jetzt plötzlich fünfzig Euro bla bla.

00:31:07: und wenn ich mich dann hingesetzt hab wollte ich damit... Ich wollte mich damit nicht auseinandersetzen und inzwischen denke ich aber ah wenn ich mir das angucke in meinen Büchern hat Covid überhaupt nicht stattgefunden und ich beteilige mich damit eigentlich an so einer gesellschaftlichen Verschwörung der Unsichtbarmachung.

00:31:25: Ja, ich weiß gar nicht, hast du in letzter Zeit mal irgendein Buch gelesen wo die Pandemie sozusagen als Hintergrund überhaupt vorkommt?

00:31:34: Also ich habe es jetzt im neuen Buch... Ich hab's kurz erwähnt, also dass Hannah läuft irgendwie durch Berlin und plötzlich sitzen alle wieder in Cafés Und sie hat plötzlich das Gefühl, okay.

00:31:44: Irgendwie über die Pandemie haben alle ihr Leben geändert und plötzlich Kinder gekriegt oder bei ihr ist irgendwie nicht so richtig was passiert?

00:31:51: Also sozusagen ... Ich erwähne es kurz.

00:31:52: Aber ein Roman der in dem die ganzen Lockdowns und diese ganzen Regelungen eine Rolle spielen, ich hab bisher noch ... Mir ist keiner aufgefallen.

00:32:02: Ist eigentlich interessant dafür, dass ja alle in der Pandemie ... Das eigentlich der große Pandemie-Romane irgendwie.

00:32:07: Dass so viele große Pandemieromane entstanden seien.

00:32:11: müssten in dieser Zeit?

00:32:13: Also ich habe in dem ersten halben Jahr jetzt oder den ersten vier fünf Monaten dieses Jahres relativ viel aktuelle Bücher gelesen und tatsächlich auch wegen so einer Juryarbeit, relativ viele also alles deutsche Sachen Kriminal-Romane.

00:32:31: Und es ist mir aufgefallen dass es nein ich hab nicht den großen Covid Roman gelesen oder so.

00:32:38: aber mir ist aufgefallen das Einfach als Teil, der das jetzt losgeht.

00:32:43: Das als organischer Teil so ein bisschen so ähnlich wie du es auch gemacht hast unserer jüngsten Vergangenheit mit erzählt wird.

00:32:53: Was man in der Zeit gemacht hat vielleicht auch die Zeit sich auf einen ausgewirkt hat.

00:32:58: was ich nicht lese ist dass über Menschen mit Long Covid mit ME-CFS oder so geschrieben wird, das habe ich noch nicht gelesen.

00:33:10: Also da hab' ich auch das Gefühl, dass ist ein Thema wo man sagen muss beteiligt man sich dann da... Nicht jeder von uns hat die Aufgabe über alles zu schreiben aber insgesamt gibt es da auch so eine Unsichtbarmachung.

00:33:22: Aber die Pandemie als gesellschaftliches Ereignis und als Zeitereignis findet jetzt langsam statt, aber bei mir irgendwie... Irgendwie nicht und das finde ich eigentlich total merkwürdig, aber jetzt vielleicht bleibe ich auch dabei.

00:33:35: Das Thema beschäftigt mich aber ständig.

00:33:39: Sie findet statt so als Zeitmarker, also dass klar ist wir befinden uns irgendwo in den Jahren nach zwanzig-dreifendzwanzig oder zwanzizwanzig.

00:33:51: Aber das etwas in der Pandemiezeit spielt und all diese Dinge noch mal quasi als Hintergrundrauschende Rolle spielen, Kontaktbeschränkungen ... Also bisher... bisher nicht, aber kommt vielleicht noch.

00:34:02: Vielleicht ist es auch noch zu früh dafür?

00:34:04: Ja eigentlich ist das ein tolles aus der handwerklichen Sicht.

00:34:07: Eigentlich ist es natürlich eine sehr interessante Hintergrund für eine Romanerzählung und ich glaube dass es im Krimi tatsächlich gerade so ein bisschen losgeht.

00:34:16: Ich habe einen Buch gelesen in diesem Jahr von unserer alten Podcastfreundin Dara Brexendorf Paradise Beach.

00:34:26: Was ich ganz interessant fand, weil da sozusagen die Krankheit... also wir haben jetzt über Krankheit als Plot-Device und auch so als Problemfeld gesprochen.

00:34:36: aber wenn ich das in meiner Wahrnehmung so beschreiben kann, also das Buch kann nicht wirklich nur außerordentlich empfehlen.

00:34:44: es spielt vor dem Hintergrund der endometriose Behandlung einer jungen Frau wertfrei endlich eingesetzt eine Hormonbehandlung macht und dadurch so eine Art vorgezogene Wechseljahre Symptomatiken erlebt.

00:35:03: Dadurch entsteht so eine Überlagerung von Lebensaltern, von biografischen Altern und sie fängt an im Grunde genommen auf einer anderen Zeitebene sich an die Zeit ihrer ... Als diese Symptomatiken das erste Mal auftreten, die endometriose Symptomatiken als pubertierende und so weiter fängt sie an sich zu erinnern.

00:35:25: Und das Buch hat eine Handlung, es ist ein Liebesgeschichte, eine Freundschaftsgeschichte und so eine Sommerostie-Geschichte.

00:35:36: aber also dass die Krankheit ist... Also ich weiß nicht wie ich das beschreiben kann würde sozusagen, es handelt nicht auf jeder Seite und die ganze Zeit von der Krankheit.

00:35:47: Aber das Buch wird da auch keinen Sinn ergeben.

00:35:51: Krankheit ist wie so das World-Building, ist nur die Welt von dem Buch.

00:35:54: Verstehst du was ich meine?

00:35:55: Das ist total faszinierend!

00:35:57: Absolut fasziniert.

00:35:59: Ja ja verstehe ich habe's noch nicht gelesen aber es klingt großartig.

00:36:04: Es ist echt richtig interessant.

00:36:05: und da hab' ich so gedacht also Sonnen... Es ist ja auch eine Erkrankung in dem sie halt einfach über Jahrzehnte viel diagnostiziert oder gar nicht diagnostiziert wird und auch jetzt immer noch viel zu wenig Ärztinnen gibt, die sich damit beschäftigen.

00:36:20: Die natürlich auch so einen gesellschaftlichen Aspekt hat.

00:36:22: aber da habe ich dann so gedacht okay wow das ist wirklich so das Gegenteil von dem.

00:36:29: Also ich schreibe halt so Depressionsromane, aber ansonsten sind die Leute ganz selten körperliche Erkrankungen.

00:36:37: Irgendwie kann ich das nicht so richtig?

00:36:39: Weiß ich auch nicht.

00:36:40: Mache ich es irgendwie nicht so?

00:36:42: Ich weiß jetzt natürlich nicht und wir können hier auch nicht darüber spekulieren ob Dara selber sozusagen Erfahrung hat mit dieser Krankheit... Ich vermute's jetzt einfach mal!

00:36:52: Ich glaube es wäre auch merkwürdig eine körperliche Erkrankung zum Hauptzüge eines Buches zu machen, wenn du überhaupt keinen eigenen Bezug dazu hast oder zumindest nicht in der Nähe von jemandem bist.

00:37:05: Ja.

00:37:05: Der sich damit auskennt.

00:37:06: Ich glaube diese Nähe ist entscheidend.

00:37:07: Also ich glaube auf die Idee würde man nicht unbedingt kommen.

00:37:12: Ja, ich glaube dass tatsächlich die Nähe entscheidende ist und was mir oft aus meiner anderen Lektüre Erfahrung aufgefallen Ich habe jetzt sehr viele so englische Autorenen, britische Autorinnen der dreißiger, vierziger, fünftiger bis in die siebziger Jahre gelesen und oft so ja auch schon so Slice of Life Alltagsbetrachtung und Kriegszeit, Nachkriegszeit usw.

00:37:41: Und sofort.

00:37:43: Und die ProtagonistInnen sind in den Büchern – das ist ganz oft – sind oft total entweder erkältet oder vergrippt

00:37:54: Echt?

00:37:55: Na ja, gut.

00:37:55: Wahrscheinlich weil man in England wahrscheinlich wetterbedingt halt auf der Kälte ist.

00:38:00: Naja klar und nacherkriegsbedingt.

00:38:01: also die Luft besteht quasi nur aus Russpartikeln und es ist arsch kalt und Kohlen sind irgendwie rationiert

00:38:13: usw.,

00:38:14: aber das ist zum Beispiel was... So Alltagskrankheiten kommen bei mir in meinen Büchern, also Adam Danowski der wirklich alles hat.

00:38:24: Aber der war glaube ich kein einziges Mal erkältet was natürlich total unrealistisch ist.

00:38:29: Ist er nicht irgendwann

00:38:29: mal so Heuschnupfensymptomatik oder denke ich mir das gerade aus?

00:38:34: Das kann sein und dann hat es mich irgendwie nicht mehr genug interessiert und ich habe obwohl ich eigentlich hätte weiter aufnehmen müssen dann einfach wieder fallen gelassen.

00:38:44: Aber das machst du auch nicht, oder?

00:38:46: Also dass man das sozusagen so... Man schreibt dir darüber was Leute essen.

00:38:49: Darüber haben wir neulich gesprochen und man schreibt darüber oder findet Wege darüber zu schreiben, das und ob Leute Sex haben oder nicht.

00:38:57: Ja.

00:38:58: Aber dieses Thema, was uns natürlich auch also diese mittleren WW-chen und Erkrankungen sozusagen, Zahnschmerzen...

00:39:08: Bei mir zumindest ab und zu jemandem Kopfschmerzen aber das sind dann halt auch nicht so... Das ist schon so ein aufziehenden Kopfschmerz, aber das ist irgendwie gar nicht so.

00:39:21: körperlich habe ich dann das Gefühl.

00:39:24: Ich finde wenn einem wirklich die Rötze läuft es hat eine andere Körperlichkeit.

00:39:27: vielleicht weiß mir irgendwie Unangenehmes und weil ich meine Figuren dem nicht aussetzen will dass sie sich ständig in Nase putzen müssen also es muss ja auch irgendein Zweck erfüllen finde ich.

00:39:38: genau das finde ich.

00:39:38: super interessant war.

00:39:39: ich glaube dass wir beide sehr scenisch schreiben.

00:39:44: Also wir haben selten so Passagen, in denen wir Zeit verdichten, sondern wir springen eigentlich beide oft in Szenen rein und aus Szenem wieder raus.

00:39:56: Und es ist natürlich wenn du ein Buch schreibst, wo es zum Beispiel um die Entwicklung einer Beziehung geht oder das ist dann super gut!

00:40:06: Stelle fest, dass diese Autorinnen das dann oft wie so ein Stopper einsetzen.

00:40:10: Also die Figur ist halt wirklich fünf Wochen richtig krank und verpasst dann deshalb ... Ähm... Diese oder jene Veranstaltung oder kann diese oder jener Verabredung nicht wahrnehmen?

00:40:22: Oder kann halt nicht regelmäßig in dieses oder jenes Café gehen wo sie immer die und die Person trifft?

00:40:28: Und sowas mache ich halt einfach nicht gestaltbar.

00:40:31: Nee, ich

00:40:31: auch

00:40:31: nicht!

00:40:31: Ja, stimmt.

00:40:32: Und dafür

00:40:33: ist

00:40:34: es aber irgendwie voll gut

00:40:36: Eigentlich total.

00:40:37: Ich mach das bei mir, entweder Leuten wird schlecht und sie übergeben sich oder haben Kopfschmerzen aber das sind dann eigentlich immer so körperlicher Ausdruck von einer Anspannung oder von Wut... Das ist dann eher quasi so eine gefühlsbezogene Symptomatik, die sich dann körperlich äußert.

00:40:56: Aber dass jemand einfach random erkältet ist ohne dass es irgendeinen richtigen Sinn und Zweck erfüllt... Ich glaube das was du meinst, das mache ich dann zum Beispiel ganz oft, dass jemand ... Und das ist mir auch selber aufgefallen regt mich wahnsinnig an mir selber auf.

00:41:07: Also ich habe ja schon mal gesagt, dass ich sehr oft Leute tonlos irgendwas sagen lasse Dass ich Leute zwischendurch sehr speziell lange ein- und ausatmen lasse.

00:41:16: Aber ich glaube auch einfach um so

00:41:19: einen

00:41:19: kurzen Moment, um so Pausemoment in einem Ereignis oder in einen Redefluss oder irgendwie sowas einzubauen ist natürlich noch mal was anderes als eine sechswöchige Virusgrippe.

00:41:31: aber vielleicht hat es sozusagen dieselbe Intention dahinter also etwas zu benutzen um so'n kurzen Stopper einzubauern in einen ansonsten rasenden Zug aus Ereignissen oder Dialogen?

00:41:47: Ja und eigentlich ja total anschlussfähig, weil man selber wenn man sowas erlebt das ist ja auch gerade deshalb also niemand... Also ich habe ja wenn ich stark erkältet bin.

00:41:58: Habe ich ja keine Angst daran um je zu sterben ein Risiko Lebensversicherung abschließen zu müssen.

00:42:05: Und ich halte durchaus auch die körperlichen Symptome aus.

00:42:08: aber was einen natürlich daran so abfackt ist dass mal aus dem Leben rausgerissen wird und das Leben sozusagen anhält.

00:42:14: Und man nichts machen und nicht handeln kann, wenn ich jetzt darüber nachdenke also eigentlich ist es für mich so ein bisschen... Ich hatte durchaus bei Meeresdunkel zum Beispiel das Problem dass Hans der natürlich von der ganzen Situation komplett überfordert ist und sich darum eigentlich auch die ganze Zeit so rausziehen will Das irgendwie zu erklären oder einfach geschehen zu lassen Und es hätte super zu diesem Thema, oh wow wir fahren ein Urlaub.

00:42:43: Er ist total mit Erwartungen überfrachtet und mit Hoffnung und so weiter.

00:42:49: Hans hätte natürlich einfach eine richtig schöne Urlaubserkältung die ganze Zeit haben können.

00:42:54: Ja

00:42:54: oder so eine Migräne?

00:42:55: Er ist doch eigentlich so ein klassischer Migränetyp, oder?

00:42:58: Das stimmt aber Migränen ist auch schon wieder so hat auch schon So ein Glamour.

00:43:03: und wenn du sagst, so ein klassischer Migrantentyp hat natürlich auch wieder diesen Krankheit als Metapher Charakter während die Erkältung.

00:43:13: Ja das ist eigentlich herrlich!

00:43:14: Ich glaube ich schreibe einen Erkeltungsmoment.

00:43:17: Wir haben uns darüber schon oft unterhalten.

00:43:19: wie sind beide Menschen die Schwierigkeiten hatten oder haben ihren Eltern zu erzählen dass sie erkältet sind weil es von denen... von unseren Eltern, also von meinen Eltern immer so als... Ja was hast du denn gemacht?

00:43:32: Hast du dich verkühlt?

00:43:33: Hast auf einem kalten Stein gesessen?

00:43:37: Musste mehr ausschlafen.

00:43:38: Also ich esse ja jeden Tag einen Apfel und trink morgens erstmal ein halben Liter lauwarmes Wasser.

00:43:43: Ich bin nie erkältet!

00:43:44: Weißt Du so, also dieses... Nee,

00:43:46: also ich muss sofort meine Mutter, falls sie zuhört und auch wenn sie nicht zuhört in Schutz nehmen.

00:43:51: das haben meine Eltern

00:43:51: ganz wichtig gemacht,

00:43:52: wenn ich krank war

00:43:54: Okay.

00:43:57: Wurde ich und werde ich entsprechend versorgt und getröstet?

00:44:02: Also das war nicht meine Erfahrung.

00:44:04: Ja, das freut mich sehr da habe ich dich mit... Jetzt hab' ich euch auch mit dem verwechselt.

00:44:09: Ich hab insofern aber eigentlich Erkältung Auch auf dieser metaphorischen Ebene.

00:44:15: Was hast du denn falsch gemacht Kind?

00:44:19: Eigentlich super.

00:44:21: Also ich gehe raus mit dem Plan, den großen Erkältungsroman.

00:44:27: Ich finde es auch gut wenn wir jetzt eingewachsene Zähnennägel, Erkhältung, Nackenverspannungen einfach... Der Alltagskrankheit auch so ein kleines bisschen mehr zur Sichtbarkeit verhelfen, das finde ich auch eine sehr schöne Idee.

00:44:43: Ich werde in mein neues Buch, in dem eigentlich Krankheiten überhaupt keine Rolle spielen sollten, werde ich jetzt auch irgendeine Schöne-Sternhöhlen-Vereiterung unterbringen.

00:44:52: als kleine Umarsch an diese Podcastfolge?

00:44:55: Ich hatte in den Achtzigerjahren und da waren wir wirklich schon siebzen, achten, neunzen einen Mitschüler in der Jagenstufe, die im Krankenhaus war Und wie sich dann aber raus stellte wegen eines eingewachsenen Zähennagels.

00:45:11: Niemals war die Fallhöhe zwischen oh mein Gott, so und so ist im Krankenhaus.

00:45:16: Dann der Begründer größler!

00:45:19: Er wäre eigentlich ein perfekter Kurzroman, um Glanz und Elend der achtziger Jahre irgendwie so bisschen

00:45:28: zu beschreiben.

00:45:28: Total ja!

00:45:29: Und wäre an der Selbstis gestorben hättet ihr euch alle schön umgeguckt?

00:45:32: Also insofern...

00:45:34: Genau eine einzige Achterbahnfahrt und gleichzeitig ich meine wer besucht jemanden, der wegen eines eingewachsenen Zähnagels im Krankenhaus liegt.

00:45:47: Ich muss mal ernst werden, ich glaube wir sollten vielleicht einer am Ende eine kurze Triggerwarnung, die du vielleicht sogar diesmal ausnahmsweise an den Anfang der Sendung schneidest oder ist jetzt mit Spatzen auf Kanonen geschossen.

00:46:04: Ich weiß es nicht genau.

00:46:06: Wir können uns jetzt ordentlich verabschieden und jetzt kommt die Quetschkomode.

00:46:11: unter einem Anschluss.

00:46:13: machen wir noch ne kleine Trigger-Warnung.

00:46:15: die stelle ich dann vorne dran.

00:46:17: Die habt ihr jetzt schon gehört

00:46:20: Als du im Frühjahr, zwei Tausend Achtzehn, nachdem wir das wirklich alles besprochen und ich hatte auf den Mund noch mal meine Notizen gefunden unsere Konzepte ausgetauscht haben.

00:46:30: Es war alles so schön als zu mir dann, als wir dann gesagt haben jetzt lass uns doch mal gucken hier ist diese und hier eine Datenbank mit rechter und gemerfreier Musik.

00:46:38: Als du mir diese Musik die jetzt gleich kommst dann geschickt hast habe ich ganz kurz gedacht.

00:46:43: Vielleicht ist es also ein großer Fehler Das habe ich befürchtet.

00:46:50: Stand auf Messers Schneider, aber wir haben ja noch mal die Kurve gekriegt.

00:46:54: Ah!

00:46:54: Und da möchte ich ganz klar dazu sagen und bitte... Wir haben uns jetzt schon bei deiner Mutter... Bei deiner von mir sehr geliebten und geschätzten Mutter entschuldigt und ich möchte mich auch ausdrücklich bei Dock sind Sigmund wenn er jetzt zuhört entschuligen.

00:47:08: Seine Musik ist natürlich auf einer Art auch ganz schlimm Aber irgendwie auf eine andere Art.

00:47:16: Das hast du zu verantworten.

00:47:18: Ich bin einfach nur mit Treudhof mitgegangen, weil ich dich nie enttäuschen möchte.

00:47:24: Aber wir können es jetzt auch nicht mehr...ich weiß das zu schätzen und...

00:47:27: Hey nein!

00:47:28: Das ist unser Ding!

00:47:28: Das sind unsere Dschingel forever!

00:47:30: Absolut!

00:47:31: Und ich weiß dass Leute auch wirklich treue HörerInnen richtig sich darauf freuen und sich davor geruseln zugleich die Musik zu hören.

00:47:44: So jetzt Jetzt aber Quetschkomode.

00:47:47: Tschüss, Till!

00:47:49: Alles Gute.

00:47:50: Bleib gesund.

00:47:53: Sexy und bodenständig.

Über diesen Podcast

Till Raether und Alena Schröder schreiben Bücher und journalistische Texte. In ihrem Entlastungs-Podcast für Autor*innen reden sie darüber, was am Schreiben schwierig ist und wie man es sich leichter macht.
Mehr unter:
www.tillraether.de
www.beschreiber.de/alena-schroeder/

Intro und Outro: "Superstars Emerge" by Doxent Zsigmond

von und mit Till Raether und Alena Schröder

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